Herstellung der Boule cloutée

Ein Zentrum hierfür war der kleine Ort Aiguines. Er liegt im Norden des Departements Var, auf der linken Uferseite der "Gorges du Verdon". Begünstigt durch die umliegenden Buchsbaumwälder entwickelte sich Aiguines in den letzten Jahrhunderten zu einem Platz für Drechsler. Diese stellten neben Haushaltsgegenständen auch Boulekugeln her, die dann ab etwa 1872 genagelt wurden.

Zur Herstellung der Boulekugeln benötigten die Drechsler die Wurzel des Buchsbaums. Diese fanden sie hauptsächlich auf den umliegenden Hügeln. Dort ist die Vegetation dürftiger als im Wald und der Buchsbaum braucht nicht so hoch zu wachsen, um Sonne zu bekommen. Er wächst hier als Busch. Diese Büsche bilden große Wurzeln, hart und knorrig. Aus ihnen wurden die Boules gedreht, die Aiguines berühmt machten.

Die Drechsler suchten sich im Wald geeignete Buchsbaumbüsche aus und befreiten sie zunächst mit Hilfe eines Haumessers von Ästen. Dann legten sie die Wurzel frei und rissen sie mit einer Hacke, der "Pitche", heraus. Die Wurzeln wurden noch vor Ort gestutzt, um die Last, die ja bis ins Dorf getragen werden mußte, ein bißchen leichter zu machen.
In ihren Werkstätten entfernten die Drechsler Erde und Steine, die sich noch an der Wurzel befanden. Sie rundeten die Wurzel zunächst grob mit der Bandsäge, so daß schon eine Kugel erkennbar wurde. Dann drehten sie die eine Hälfte der Kugel, anschließend die andere. Es entstand eine glattgedrehte Holzkugel, die fertig war zum Nageln.

Die Arbeit des Nagelns, die "Cloutage" oder "Ferrage", war den Frauen vorbehalten. Zum Nageln wurde benötigt: ein Hammer, ein großer hölzerner Hauklotz und außerdem der sogenannte "Rond de Cepoun". Dies war ein Ring aus Metall, der auf den Hauklotz gestellt wurde und die Kugel während der Arbeit hielt.

Es gab zwei verschiedene Arten des Nagelns:

1. Das Nageln "en écailles", also schuppig.

Hierzu wurden ausschließlich Nägel mit rundem, flachen Kopf aus Stahl, Messing oder Kupfer verwendet. Von einem Anfangsnagel aus wurden die Nägel spiralförmig in die Kugel eingeschlagen, so daß der neu eingeschlagene Nagel den zuvor eingeschlagenen Nagel etwa zur Hälfte und auch den Nagel der vorherigen Reihe etwas überdeckte. Der letzte Nagel (Endnagel) befand sich genau dem Anfangsnagel gegenüber. Durch die schuppige Nagelung entstand eine fast glatte Oberfläche und das Holz der Grundkugel wurde komplett verdeckt.
Diese Art wurde hauptsächlich für die dünneren Kugeln (Durchmesser 70-90 mm), also Pétanque- und Jeu provencal-Kugeln verwendet. Es waren keine komplizierten Muster möglich, nur Initialen, Zahlen und einfache Symbole.

2. Das Nageln "jux-taposé", also Nagel neben Nagel,

wurde hauptsächlich für die größeren Kugeln (Durchmesser 90-110 mm) verwendet. Auf den Holzrohling wurde ein Muster aufgezeichnet. Dann wurden Nägel entsprechend dem vorgezeichneten Muster eingeschlagen.
Es gab Nägel mit verschiedenen Kopfformen, z. B. quadratische, rund-flache, rund-zylindrische oder sechseckige. Diese Nägel waren entweder aus Kupfer, Messing oder Stahl. Auf einer Kugel wurden aber meist nur Nägel mit der gleichen Kopfform verwendet. Durch die verschiedenen Materialen war es möglich, die Kugel mit phantasievollen Mustern zu verzieren.

In Aiguines wurde die Herstellung genagelter Kugeln 1933 eingestellt.