1. Von der Holzkugel zur "genagelten" Kugel (boule cloutée)


Die Geschichte der Kugeln ist natürlich immer an die Möglichkeit zur Herstellung gebunden.

Bis Mitte 19. Jhd. wurde mit reinen Holzkugeln gespielt, die aus Buchsbaum, Buche oder Ulme bestanden. Ab und zu waren in diese einige handgeschmiedete Hufnägel eingeschlagen.

Aber die Holzkugeln hatten einen großen Nachteil: Sie nutzten sich schnell ab und verformten sich. Besonders wenn sie oft auf hartem und steinigem Terrain gespielt wurden.

Ab 1872 konnten Nägel aus Eisen maschinell hergestellt werden. Sie wurden auch sofort in der Kugelherstellung verwendet, um die Kugeln vor Verschleiß zu schützen. Zunächst wurden nur einfach einige Eisennägel mit großem, rundem Kopf in die Holzkugeln eingeschlagen. Die Kugeln wurden dadurch größer und schwerer (Durchmesser: 100 - 150 mm, Gewicht: bis ca. 1500 g). Später wurden Nägel mit flachen Köpfen hergestellt. Die Kugelhersteller wurden zu wahren Künstlern, die die Kugeln mit Kunstwerken aus Nägeln verschiedener Farben (Stahl, Messing, Kupfer) verzierten. Es gab einfache Symbole, Zahlen, Initialen, aber auch Sterne, Blumen, Herzen, je nachdem, was der Spieler wünschte.

Später wurden auch kleinere Kugeln hergestellt mit einem Durchmesser von ca. 70-90 mm: die ersten Kugeln für Jeu Provencal und Pétanque.

2. Nagelarten und -techniken

Die unterschiedlichen Arten von Nägeln verlangten auch unterschiedliche Nageltechniken.

- Zu Anfang wurden einfach nur wenige Nägel in die Holzkugel, mehr oder weniger gleichmäßig verteilt, eingeschlagen.

- Große, quadratische Nägel (Stahl und Messing) eigneten sich bereits dazu, Muster herzustellen.

- Nägel mit rundem, flachen Kopf aus Stahl, Messing und Kupfer wurden schuppenförmig genagelt. Bei diesem schuppigen Nageln war es schwierig, Muster herzustellen. Meist wurden nur Initialen oder Zahlen angefertigt, manchmal ein Anker, ein Fisch oder ein Herz.

- Runde Nägel mit Halbrundkopf waren anfangs groß und wurden grob und nur leidlich dicht eingeschlagen. Später wurden diese Nägel kleiner und dadurch besser geeignet für fantasievolle Muster.

- Kleine, runde Nägel mit Zylinderkopf eigneten sich sehr gut für komplizierte Muster (Sterne, Herzen, Zahlen, Initialen u.s.w.)

- Nägel mit sechseckigem, flachen Kopf eigneten sich auch sehr gut für komplizierte Muster. Mit ihnen konnte die Kugel komplett bedeckt werden, so daß überhaupt nichts mehr von dem Holz der Kugel zu sehen war.

3. Ende der Epoche

1923 begannen Vincent Mille und Paul Courtieu mit der Kugelherstellung im Gussverfahren. Damit war das Ende der genagelten Kugeln eingeläutet. Sie wurden noch gespielt bis ca. 1940 und verschwanden dann im Keller. Insgesamt dauerte ihre Zeit also nur ca. 70 Jahre.

Seit etwa 1930 (?) werden Kugeln durch Verschweißen zweier hohler Stahlhalbkugeln hergestellt.

4. Museen

Genagelte Kugeln werden nicht mehr gespielt. Sie werden von Privatleuten gesammelt und von Museen ausgestellt, so im Boule Museum von St. Bonnet-le-Château und im Drechslermuseum von Aiguines.